Deutsche-Schauspieler : Vorwort :
Porträts aus Berlin und Wien
Ein paar Worte der Erklärung für diesen Vortrag, der ernst genommen sein möchte und gleichwohl Ton zwei Verfassern gezeichnet wird, sind vielleicht nicht überflüssig. Von deutschen Menschendarstellern soll hier die Rede sein; aber gerade auf dem Gebiete der Schauspielerkunst hat die deutsche Kultur heute noch zwei gleich mächtige Zentren: Berlin und Wien. Nach den Gesetzen der Schwerkraft, die auch im Geistigen und im Ökonomischen wirken, fällt diesen zweien mit der Zeit alles. wahrhaft Bedeutende in unserer Schauspielerei zu; diesen zweien in ungefähr gleichem Maße. Man muß die Theater Wiens und Berlins, muß Wien und Berlin selbst gleich gut kennen, um zu wissen, was alles an großen menschlich-kulturellen Werten deutsche Schauspielerei heute bietet Und wenn auch einer wäre, der die Theater beider Städte gleich oft besucht hat — oft genug, um die großen Künstler des Orts in ihrer täglichen Arbeit wirklich und allseitig zu kennen — er wäre doch nicht Berliner und Wiener zugleich, und seiner Natur fehlte vielleicht die schmiegsame Eindringlichkeit hier, die harte Schärfe dort, um ganz in das Wesen dessen zu gelangen, was die deutsche Schauspielkunst an zwei so verschiedenen Zentralpunkten entwickelt hat. So war es vielleicht doch gut, daß ein Berliner und ein Wiener zusammen an dies Werk gingen — zwei, die an verschiedenen Orten, aber doch aus der selben Zeit erwachsen sind und die deshalb bei manchem Unterschied des Weges doch annähernd das Ziel gemein haben. Was dennoch dem Buche infolge der notwendigen Verschiedenheit zweier Individuen an Einheit mangeln wird, kann vielleicht durch die höhere Vollständigkeit, die nur so möglich war, aufgewogen werden.„Vollständigkeit" gilt freilich nicht in dem Sinne, als ob hier ein jeder wirklich bedeutende Mime Berlins oder Wiens sein Porträt erhalten hätte; es fehlt mancher und fehlt manche, die im Bange nicht geringer als die hier abgebildeten sind. Aber wenn wir nach Neigung und Zufall wählten, griff unsere Arbeit doch so weit planvoll um sich, daß kaum ein bedeutender Typus unvertreten blieb; es dürfte hier keine ausdrucksvolle Färbung der Schauspielkunst fehlen, die heute in Deutschland wirklich lebt und in der Entfaltung einzelner und einziger Naturen das Leben der Zeit Gestalt werden läßt.
Julius Bab. Willi Handl.
Berlin 1908.
Neue Technologien, wie es etwa eine 3D Brille ermöglicht, garantieren auch zunehmend bei Filmen einen echten dreidimensionalen Effekt.